Schatzkiste – ein besonderer Ort

Eine besonders schöne SchatzkisteAufräumen und wegwerfen ist bei mir immer ein großes Thema, aber manche Sachen lassen sich nicht so leicht aufräumen. Es gibt „Schätze“ am Schreibtisch, aber auch an allen anderen Orten und diese brauchen eine Schatzkiste.

Am einfachsten erklärt ist es an einem Beispiel aus einer ganz anderen (auch oft chaotischen) Ecke: dem Kleiderschrank.

Im wesentlichen enthält ein Kleiderschrank Kleidung zum Anziehen. Was denn sonst, fragen Sie sich jetzt vielleicht und denken noch an Bettwäsche, aber ist wirklich alle Kleidung die Sie in Ihrem Schrank haben zum Anziehen? Bei mir gab es auch ein paar Kleidungsstücke, die ich zwar anziehen könnte, aber es nicht getan hab. Wegwerfen wollte ich sie aber auch nicht, denn sie waren mit schönen Erinnerungen verbunden. Ein T-Shirt – nicht schön, aber selten – ein Verlegenheitskauf in einem wunderschönen Urlaub. Wenn ich es sehe, erscheint der ganze Urlaub vor meinem inneren Auge. Es riecht nach Meer und schmeckt nach Salz …  Das ist doch kein Müll, aber ist es Kleidung zum Anziehen? Es ist ein Schatz und der gehört nicht in den Kleiderschrank sondern in eine Schatzkiste.

Schatzkiste – der Ort für schöne Erinnerungen

Machen Sie sich eine Schatzkiste. Nehmen Sie eine Schachtel, einen Koffer, eine Umzugskiste oder was auch immer für Sie die richtige Größe und Form hat und Sie haben einen Platz für alle Dinge, die Sie behalten wollen unabhängig von ihrem eigentlichen Zweck.

Am Schreibtisch finden sich auch oft solche Schätze, ein Füller, der zwar nicht mehr gut schreibt, Sie aber so viele Jahre begleitet hat, dass Sie ihn behalten wollen, Ihre erste Visitenkarte, etc. Mit der Schatzkiste lösen Sie gleich zwei Probleme:

  1. Sie treffen eine aufgeschobene Entscheidung. Wie oft hatten Sie Ihre Schätze schon in der Hand und sich gefragt, ob Sie sich nicht davon trennen sollen oder es endlich wieder benutzen.
  2. Es gibt einen Ort für Dinge, die bisher nur falsche Orte verstopft haben. Zum Beispiel ein Füller, der zwar dort liegt, wo ihre Stifte liegen, aber nicht mehr gut schreibt.

Und wenn die Kiste voll ist, ist es Zeit, sie mal durchzusehen und zu überlegen, ob davon nicht doch etwas weg kann. Es muss nicht, schließlich können Sie auch einfach eine zweite Kiste beginnen 😉

Digitale Schätze

Natürlich kann man das Prinzip auch auf digitale „Dinge“ übertragen. Es gibt E-Mails, von denen Sie sich nicht trennen wollen, Dokumente, Bilder und so weiter. Auch sie brauchen eine Schatzkiste, bzw. einen Schatz-Ordner. Hier kommt alles rein, was Sie aus sentimentalen Gründen behalten wollen.

Auch hier geht es darum Entscheidungen zu treffen und sich dadurch Platz im Kopf und zum Arbeiten zu schaffen.

Weg frei für Konzentration

Holzsteg - frei für volle KonzentrationEs gibt Aufgaben, die brauchen volle Konzentration. Welche das sind, ist von der Arbeit, aber auch von der Person abhängig, bei mir sind es zum Beispiel komplexe Tabellen und Pläne. Dann stört alles, was damit nichts zu tun hat. Wenn es eine Arbeit am Computer ist, stört sogar Papier, das damit zu tun hat.

Wenn Sie in so einer Situation sind, dass alles stört – dann räumen Sie alles weg.

Alles aufräumen?

Denken Sie jetzt: „ja, stimmt – das müsste alles dringend mal aufgeräumt werden, aber jetzt will ich doch eigentlich …“ Stopp! Von Aufräumen war keine Rede, sondern von Freiräumen.

Was können Sie alles sehen, wenn Sie an Ihrem Schreibtisch sitzen? Und alles was Sie davon jetzt ablenkt, kommt jetzt weg.

Alle Papierstapel auf und neben Ihrem Schreibtisch kommen zur Seite. Sie können sie vorübergehend auf dem Boden stapeln oder wo Sie sonst Platz finden. Es geht nicht um einen dauerhaften Ort. Nach der konzentrierten Aufgabe kommen sie wieder zurück. Es geht nur darum, sich das Sichtfeld freizuräumen.

Das ist eine gute Gelegenheit alle Tassen, Gläser und ähnliches einzusammeln und in die Küche zu bringen, alle Stifte einzusammeln und was sich dort sonst noch findet.

Aber wenn es darum geht, sich von nichts ablenken zu lassen, kann es noch weitergehen. Bilder und Pinnwände können abgehängt und zur Seite gelegt werden. Dinge, die Sie sonst motivieren oder zum Lächeln bringen, kommen für die Zeit woanders hin.

Und wohin?

Machen Sie sich nicht viele Gedanken, wo die Dinge nun hinkommen, denn dort sollen sie ohnehin nicht bleiben. Was sich nicht leicht woanders hinstapeln lässt (weil es kein Stapel, sondern ein chaotischer Berg ist), kann in eine Tüte oder Kiste. Es ist sogar gut, sich wenig Mühe zu machen und keine schönen Orte zu finden, sonst lassen Sie sie eventuell dort und dafür müssten Sie alles durchgehen und entscheiden, ob das dauerhaft dort bleiben kann. Es geht jetzt aber darum, diese eine Aufgabe mit voller Konzentration anzugehen und sich nicht lange mit Aufräumen aufzuhalten.

 

PS: Danke an Felix_Broennimann für das Bild des Holzstegs.

Raum (und Zeit) ist in der kleinsten Hütte

Eine Schnecke mit genug Platz und Zeit Denken Sie, dass es viel leichter wäre, alles in Ordnung zu halten, wenn Sie nur mehr Platz hätten?

Das habe ich schon oft gehört und manche hatten dann das Glück, auf einmal mehr Platz zu haben (Umzug in ein größeres Büro oder ähnliches), aber schon nach kurzer Zeit war es so chaotisch wie vorher.

Platz ersetzt nicht Aufräumen

Oft braucht es nicht mehr Platz, sondern mehr Ordnung. Und manchmal hilft es dabei, wenig Platz zu haben. Vor einiger Zeit hatte ich eine große Küche. Ich machte mir nicht viele Gedanken, wo etwas rumstand – brauchte ich nicht. Und ich räumte auch nicht alles nach Gebrauch wieder weg. Jetzt habe ich eine sehr kleine Küche. Da habe ich mir gut überlegt, was kommt wo hin, was steht immer griffbereit und was nicht. Ich kann gar nicht anfangen, wenn ich nicht vorher aufräume, also räume ich alles, was ich nicht brauche zügig wieder weg. Das Ergebnis ist eine funktionale Küche, in der ich gerne koche.

Mit Ihrem Arbeitsplatz kann es Ihnen genauso gehen. Das heißt nicht, dass Sie sich den kleinsten Besenschrank als Büro einrichten sollten. Wenn Sie sich ohne Widerwillen an Ihre Büroarbeit setzen wollen, ist es wichtig, sich einen schönen Platz für Ihren Arbeisbereich zu suchen. Was auch immer das für Sie heißt (siehe der letzte Artikel „Ein Platz an der Sonne“).

Aber der Platz muss nicht unendlich groß sein. Es braucht nur so viel Platz, wie Sie auch tatsächlich brauchen. Sie brauchen keinen Platz für Papierstapel der letzen Monate. In dem Fall brauchen Sie Zeit zum Aufräumen.

Wie viel Zeit haben Sie?

Kennen Sie auch die Rentner, die nie Zeit haben, und die Leute, die trotz Job, Kindern oder Eltern, Haushalt und Verein immer noch Zeit haben?

Auch hier gibt es die Idee, wenn ich doch nur mehr Zeit hätte, dann würde ich jede Woche ordentlich meine Buchführung machen, aufräumen, mehr Sport machen etc. Sind Sie sicher?

Ja, es gibt die stressigen Zeiten, in denen man kaum zum Schlafen und Essen kommt, aber in der Regel gibt es genug Zeitfenster für alles, was Sie tun wollen (nur nicht für alles was Sie tun sollten). Und auch hier gilt: besser gut organisiert, als einfach nur mehr Zeit.

Die Leute, die stets Zeit haben, sind in der Regel sehr gut organisiert. Sie fühlen sich nicht von ihren Vorhaben gehetzt, sondern entscheiden sich je nach Situation und Priorität für dieses oder jenes.

Unsere Tage sind alle gleich lang, aber womit wir sie verbringen ist unsere Entscheidung.

Zeit und Platz sind Einstellungssache

So objektiv Sie Zeit und Platz messen können, wie viel Sie davon haben, liegt an Ihrer Einstellung. Probieren Sie es mal aus: Entscheiden Sie sich ausreichend Platz und Zeit zu haben. Was passiert?

  • Vielleicht finden Sie neue Lösungen?
  • Vielleicht merken Sie, was für Sie Priorität hat und was nicht?
  • Vielleicht hilft es Ihnen Entscheidungen zu treffen, was Sie mit Ihrem Platz und Ihrer Zeit anfangen?

Schreiben Sie mir gerne, was bei Ihnen passiert und ob es funktioniert.

 

PS: Das Zitat im Titel ist übrigens aus Schillers Gedicht „Der Jüngling am Bache

Raum ist in der kleinsten Hütte
für ein glücklich liebend Paar.

PPS: Vielen Dank an Cairomoon für das schöne Bild der Schnecke, die stets genug Platz und Zeit hat.